Geothermieanlage Grünwald
In Deutschland sind mittlerweile 38 Geothermieanlagen in Betrieb, 24 davon befinden sich in Bayern.

Die tiefe Geothermie ist ihren Kinderschuhen längst entwachsen. In ganz Deutschland sind mittlerweile 38 Geothermieanlagen in Betrieb, sie verfügen über eine installierte Wärmeleistung von rund 350 Megawatt (MWth). Hinzu kommt eine elektrische Leistung von 47 Megawatt (MWel).

Im Jahr 2019 produzierten Geothermieanlagen in Deutschland laut www.statista.de 196 Gigawattstunden klimafreundlichen Strom; das entspricht dem Verbrauch von 78.400 Haushalten (2.500 kWh Strom pro Jahr). Noch beeindruckender ist die Wärmeerzeugung: 1.026 Gigawattstunden Wärme (256.500 Haushalte mit 4.000 kWh Wärme pro Jahr) speisten Geothermieanlagen 2019 in die lokalen Versorgungsnetze ein.

Geothermieregionen in Bayern

HOTSPOT BAYERN

Zu den geologisch besonders für die Nutzung der Tiefengeothermie geeigneten Regionen gehört das Bayerische Molassebecken. In den zerklüfteten Kalksteinformationen des sogenannten Oberjuras ist heißes Tiefenwasser gespeichert. Jüngste Untersuchungen zeigen, dass es sich unter den kalten klimatischen Bedingungen der letzten Eiszeit vor 20.000 bis 10.000 Jahren gebildet hat und in die Oberjura Kalksteine eingeflossen ist. Diese geologische Schicht taucht von der schwäbisch-fränkischen Alb im Norden nach Süden bis unter die Alpen ab.

Weil dadurch die wasserführenden Schichten in südlicher Richtung immer tiefer liegen, nimmt auch die Temperatur im Reservoir des Oberjuras nach Süden zu. Die tiefste Bohrung in Bayern ist in Holzkirchen und erschließt in 5.079 Meter Tiefe eine Temperatur von 155 °C. Aktuell sind in Bayern 24 Anlagen in Betrieb. 82 Prozent der elektrischen Leistung und sogar 96 Prozent der thermischen Leistung aller Geothermieanlagen Deutschlands sind hier installiert.

Von den oberbayerischen Anlagen produzieren

  • 15 ausschließlich Wärme, maximale Temperatur bis 123 °C,
  • 2 Strom (Wärmeauskopplung in Planung), maximale Temperatur bis 141 °C und   
  • 7 Wärme und Strom, maximale Temperatur bis 155 °C.

Der östliche Chiemgau hat sich nach dem Großraum München zum neuen geothermalen Hotspot entwickelt. Bestehende Projekte in Kirchweidach, Simbach/Braunau und Waldkraiburg produzieren verlässlich geothermische Wärme. Die jüngste Anlage in Bayern ging Anfang 2021 in Garching an der Alz in Betrieb. Weitere Geothermieprojekte sind in der Entwicklung (Taching am See, Nußdorf, Palling). Im interkommunalen Projekt Rupertiwinkel haben die Bohrungen im Herbst 2020 begonnen.

Gemeinsam können die geplanten und bestehenden Geothermieanlagen entscheidend zur Klimaneutralität in Bayern beitragen. Eine Untersuchung der Technischen Universität München im Rahmen des Masterplans Geothermie zeigt, dass 40 Prozent des Wärmebedarfs in Bayern durch tiefe Geothermie gedeckt werden könnten.

Geothermie Palling
Bayerische Flagge

MASTERPLAN GEOTHERMIE BAYERN

Das Bayerische Staatsministerium für Wirtschaft, Landesentwicklung und Energie misst der Sicherstellung einer heimischen, dauerhaften und klimaneutralen Versorgung mit Wärme eine sehr große Bedeutung zu. Ein wichtiger Bestandteil davon ist die optimale Erschließung des geothermischen Potenzials, das in Bayern reichlich vorhanden ist. Deshalb hat das Staatsministerium 2019 einen „Masterplan Geothermie“ entwickelt.

Dieser sieht unter anderem eine strategische Förderung für Wärmenetze vor – auch von Verbundleitungen aus den Hotspots der Geothermie zu den Verbrauchszentren. In einer Studie haben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Technischen Universität München nun belegt, dass so das Potenzial optimal ausgeschöpft werden kann.

Verbundleitungen minimieren die Anzahl der benötigten Anlagen und erhöhen die Auslastung sowie die Ausfallsicherheit der einzelnen Anlagen. Die Studie empfiehlt eine strategische Förderung des Verbundleitungsbaus, um die hohen Anfangsinvestitionskosten zu senken und dadurch die Technologie für Kommunen attraktiver zu machen.